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CHARITY – Promi-Toilettenrennen in Salzburg

Durch verstärkte Aufklärung und gezielte Aktionen, wie dem Charityevent eines "Toilettenrennens" auf dem Salzburger Mozartplatz, soll das Thema Darmerkrankung in der Bevölkerung enttabuisiert werden.

Ein Sponsor dieser Veranstaltung ist das Institut Allergosan, das sich seit 2 Jahrzehnten mit dem Thema „Darmgesundheit auseinandersetzt.
Frau Mag. Anita Frauwallner, die Gründerin des Instituts, nahm auch selbst an der Veranstaltung teil und könnte mit vielen Kunden persönlich über die Problematik sprechen. Mehr als 200 Interessierte machten von der Möglichkeit Gebrauch, sich Informationen zum Thema Darmgesundheit von der bekannten Expertin zu holen.

Unter den Prominenten, die sich am Hindernis-Parcours auf den motorisierten Toiletten versuchten, war auch der charismatische Salzburger Fußballtrainer Huub Stevens, dessen Frau und Tochter unter der chronischen Krankheit leiden.
Landeshauptfrau Gaby Burgstaller feuerte die Promis an und überreichte die Urkunden.
Der sympathische Hitparadenstürmer James Corttriall griff sich die Gitarre und begeisterte die zahlreichen in- und ausländischen Zuseher mit seinem Nummer 1 Hit „Unbreakable“.

Der gesamte Erlös der Veranstaltung kommt dem Selbsthilfeverein für CED zugute. Univ.Prof. Dr. Walter Reinisch, der den Scheck überreichte, nimmt sich nicht nur der Patienten an der Wiener Spezialambulanz für CED mit beispielhaftem Einsatz an, sondern war auch bei dieser Veranstaltung mit vollstem persönlichem Engagement bei der Sache. Er konnte dort u.a. den Präsidenten der österreichischen Gesellschaft für Gastroenterologie, Prim. Univ. Prof. Dr. Knoflach aus Wels und die Leiterin der Salzburger Anstaltsapotheken, Frau Mag. Madl begrüßen.

In der Pressekonferenz wiesen die medizinischen Spezialisten OA Dr. Haas und Prof. Reinisch gemeinsam mit Peter Enthammer, dem Leiter der Selbsthilfegruppe auf folgende Fakten hin:

CED äußern sich in einer vielseitigen Symptomatik. Von Patient zu Patient sind unterschiedlich starke Ausprägungen und Verläufe möglich. Dies kann zu erheblichen Verzögerungen in der Diagnosestellung und Behandlung führen. Viele Patienten erhalten erst drei Jahre nach den ersten Symptomen die Diagnose "Chronisch entzündliche Darmerkrankung". Da die Erkrankung einen chronischen Verlauf aufweist, bedeutet dies für die Patienten oft einen lebenslangen Leidensweg. Immer wieder auftretende Schübe mit heftigen Bauchkrämpfen, Durchfällen bis zu 27 Mal pro Tag und Darmblutungen schränken Betroffene in ihrem Alltag stark ein. "Ich war stets auf der Suche nach einer Toilette. Zu wissen, dass sich keine Toilette in meiner unmittelbaren Nähe befand, bereitete mir so großes Unbehagen, dass ich fast alle sozialen Kontakte abbrach. Die Krankheit hatte mich soweit im Griff, dass ich mich kaum mehr aus meinen sicheren vier Wänden traute", schildert Peter Enthammer, Betroffener und Zweigstellenleiter der ÖMCCV Salzburg.

Auch immer mehr Jugendliche sind von der Erkrankung betroffen

In den vergangenen Jahren wurde eine deutliche Zunahme von CED bei Kindern und Jugendlichen beobachtet. "25 bis 30 Prozent der Patienten erhalten die Diagnose vor dem 20. Lebensjahr, vier bis acht Prozent sogar noch vor dem fünften Lebensjahr", bestätigt Dr. Thomas Haas, Präsident des interdisziplinären Zentrums Chronisch Entzündliche Darmerkrankungen (iCED) Salzburg, die wachsende Anzahl junger Patienten. Vor allem Jugendliche erfahren durch die Tabuisierung der Erkrankung oftmals Ausgrenzung und soziale Isolation. Speziell in diesem Alter kann sich die Krankheit negativ auf Sozial- und Freizeitverhalten auswirken und Schwierigkeiten bei der Berufswahl bereiten. "Meine Tochter leidet unter ihrer Erkrankung. Die Erkrankung ist vor allem für junge Menschen eine enorme Belastung. Für mich als Vater ist es oft schwer mit anzusehen, wie meine Tochter auf für gesunde Jugendliche selbstverständliche Dinge verzichten muss", schildert Huub Stevens, Trainer von Red Bull Salzburg, der sich als Vater einer an CED erkrankten Tochter offen zu diesem Thema äußert. Chronisch entzündliche Darmerkrankungen können nicht nur zu körperlichen Einschränkungen wie Pubertäts- und Wachstumsstörungen führen, sondern auch zu psychosozialen Veränderungen innerhalb der Familie und des Bekanntenkreises. "Vor allem Jugendliche erfahren durch die Tabuisierung der Erkrankung oftmals Ausgrenzung und soziale Isolation, da sie immer daran gebunden sind, eine Toilette in der Nähe zu haben. Zudem beeinträchtigen eitrige Fistelbildungen im Anal- und Genitalbereich das Sexualverhalten. "Probleme in der Ausbildung, bei der Berufswahl und -ausübung folgen", erklärt a.o. Univ.-Prof. Dr. Walter Reinisch, Facharzt für Innere Medizin und Leiter der CED-Arbeitsgruppe der Österreichischen Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie (ÖGGH). "Ein großer Prozentsatz der Betroffenen leidet auch unter Ängsten und Depressionen", ergänzt Haas. CED ist bis dato nicht heilbar. "Eine frühzeitige Diagnose sowie ein rechtzeitiger Einsatz von hochwirksamen Medikamenten sind notwendig, um den Krankheitsverlauf zu verzögern und Operationen zu verhindern", betont Reinisch.

Behandlungserfolg setzt die Zusammenarbeit verschiedener Disziplinen voraus

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa betreffen aufgrund ihres komplexen medizinischen Beschwerdebildes verschiedene medizinische Disziplinen und erfordern eine enge, fachübergreifende Zusammenarbeit von Innerer Medizin, Chirurgie, Kinder- und Jugendheilkunde, Psychosomatik, Pathologie (Gewebeuntersuchungen), Röntgendiagnostik, Ernährungsmedizin und Apothekern. "Nur durch ein umfassendes Therapieangebot kann eine optimale Versorgung der Patienten gewährleistet werden. Es ist daher von großer Wichtigkeit, die interdisziplinäre Kommunikation für Patienten und Behandler so barrierefrei wie möglich zu gestalten", hält Dr. Haas fest. Um einen erfolgreichen interdisziplinären Austausch und eine Behandlung auf dem neuesten Stand der Wissenschaft zu ermöglichen, wurde im Jahr 1999 in Salzburg das interdisziplinäre Zentrum für Chronisch Entzündliche Darmerkrankungen (iCED) gegründet.
"Ein weiteres Anliegen des iCED Salzburg ist eine kontinuierliche Betreuung und das Vermeiden eines häufigen Wechsels des behandelnden Arztes. Vor allem bei CED sind vertrauliche Arzt-Patienten-Gespräche überdurchschnittlich aufwändig", betont Haas.

Nachholbedarf in der Versorgung von CED-Patienten verringern

CED bedeuten für die Betroffenen permanente Stresssituationen und starke Einschränkungen im Alltagsleben. Bis zu 70 Prozent der Patienten berichten über depressive Verstimmungen. Nahezu jeder vierte CED-Patient ist arbeitslos, es gibt überdurchschnittlich viele Frühpensionierungen. Die Österreichische Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie (ÖGGH) möchte zusammen mit der Österreichischen Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa Vereinigung (ÖMCCV) das Bewusstsein für die Krankheit in der Bevölkerung stärken und die Akzeptanz der Betroffenen in der Öffentlichkeit erhöhen. Aus diesem Grund wurde die Initiative "Crohn Friendly Places" ins Leben gerufen. Die Aktion hat zum Ziel, Betroffenen die Sorge zu nehmen, nicht rechtzeitig eine Toilette aufsuchen zu können. Alle Partnerunternehmen der Initiative sind im Eingangsbereich mit einem Sticker gekennzeichnet und finden sich auch im Internet unter WWW.CROHNHILFE.AT als Hotspots in der Toilettenfinder-Applikation; so dass Patienten mit internettauglichen Handys auch unterwegs solche Partner lokalisieren können. Vor Ort signalisiert der Sticker Betroffenen, dass sie hier ohne Kaufzwang oder sonstige Hindernisse eine Toilette benutzen dürfen. Außerdem soll durch die Aktion mehr Verständnis seitens der Arbeitgeber erreicht werden. Oft wird Patienten der Gang zur Toilette in Gastronomiebetrieben oder Geschäftslokalen verwehrt oder ist nur in Verbindung mit einem Einkauf möglich. Viele Unternehmen entgegnen Patienten mit Unverständnis, lange Krankenstände und Fehlzeiten können zum Verlust des Arbeitsplatzes führen. Das Projekt bedeutet für Patienten eine deutliche Vergrößerung ihres Aktionsradius und mehr Bewegungsfreiheit im alltäglichen Leben. "Ziel sollte sein, das Salzburger Projekt auch auf die restlichen Bundesländer auszuweiten und durch verstärkte Aufklärung der Bevölkerung mehr Verständnis für chronisch entzündliche Darmerkrankungen zu schaffen", plädiert Dr. Josef Schlömicher-Thier, Salzburger Bereichssprecher für Gesundheit und Krankenanstalten.

Auf motorisierten Toiletten für mehr Verständnis in der Bevölkerung

Das Thema CED wird in der Öffentlichkeit nach wie vor als Tabuthema gehandelt. Das Toilettenrennen eine gezielte Awareness Aktion, initiiert von ÖGGH und ÖMCCV gemeinsam mit iCED, soll die Aufmerksamkeit der Bevölkerung verstärkt auf das Thema CED lenken und so zu mehr Akzeptanz und Verständnis für die Betroffenen führen. Auf motorisierten Toiletten fuhren prominente Teilnehmer am 11. August 2010, um 10:00 Uhr auf dem Salzburger Mozartplatz um die Wette. Ins Rennen gingen u.a. der Schauspieler Fritz Egger, Ö3 Star James Corttriall, Volksopern Tenor Eugene Amesmann, Snowboarderin Doresia Kings und der Mammon aus dem Jedermann Sascha Oskar Weis.

Veranstaltungsfotos